Pressemitteilung

Wie soll ein Stadtfest heißen und wie sprechen wir über Rassismus?

Das Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk (thadine) teilt die Kritik der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) am Namen des Eisenberger Stadtfestes und ist irritiert von den Aussagen des Bürgermeisters Michael Kieslich.

Im Vorfeld des diesjährigen Eisenberger Stadtfestes kritisierten verschiedene Organisationen und Personen dessen neuen Namen als rassistisch und forderten die Stadt zum Handeln auf – ein anspruchsvolles und emotional besetztes Thema. Nach einer längeren Pause ist nun wieder Bewegung in die Auseinandersetzung gekommen. Dabei wirft das Verhalten des Bürgermeisters die Frage auf, ob eine ernsthafte Auseinandersetzung tatsächlich gewünscht ist.

Auslöser der aktuellen Entwicklungen ist die Bekanntgabe von Bürgermeister Kieslich, dass die Verträge mit dem Veranstaltungsbüro Konzept Team Gera GmbH verlängert worden seien und das Stadtfest auch im kommenden Jahr weiter den rassistischen Namen tragen solle (OTZ vom 04.09.2019). Die Lokalgruppe Thüringen der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) reagierte „fassungslos und empört“ und kritisierte die fehlende Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung mit „pseudo-historischem Kitsch“. Statt Kontakt aufzunehmen oder eine historische Kommission zu gründen, habe sich die Stadt durch die Entscheidung für ein Beibehalten des Namens für eine neue Qualität der Diskriminierung entschieden.

In seiner Reaktion (OTZ vom 10.09.2019) bezog Bürgermeister Kieslich dazu keine inhaltliche Stellung, sondern sprach lediglich über die Form, in der die Kritik adressiert wurde. Zugleich verwies er auf ein geplantes Gespräch mit unserem Netzwerk und hob dabei hervor, dass wir uns direkt an die Verwaltung gewandt hätten und nicht nur über die Medien kommunizieren würden.

Dazu nimmt Daniel Bartel, ein Sprecher des Netzwerkes, Stellung:

„Wir weisen die Aufspaltung in „gute“ und „schlechte“ Kritik entlang der Wahl der Kommunikationskanäle deutlich zurück und sind irritiert von dem darin zu Tage tretenden Politikverständnis. Dass es sich bei dieser Zurückweisung wegen der Form mit der ISD um eine Selbstorganisation Schwarzer Menschen handelt, gibt in dieser Auseinandersetzung um Rassismus besonders zu denken. Wir teilen die Kritik der ISD. Auch für unser Netzwerk hat sowohl die Bekanntgabe der Beibehaltung des Namens als auch die aktuelle Entwicklung grundsätzliche Fragen über Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs mit der Stadt Eisenberg aufgeworfen. Wir werden uns nicht instrumentalisieren lassen und stehen für einen reinen PR-Dialog nicht zu Verfügung. Unser grundsätzliches Interesse an einer ernsthaften Auseinandersetzung und unser Angebot zur Unterstützung bei der Suche nach angemessenen Lösungen besteht hingegen weiter. In den kommenden Tagen werden wir mit Herrn Kieslich klären, was von beidem die Eisenberger Verwaltung wünscht.“

Bezüglich der Hintergründe des geplanten Gesprächs und den neuerlichen Fragen zu seiner Zielsetzung erläutert Christina Büttner, Sprecherin des Netzwerkes:

„Uns irritiert die Veröffentlichung des geplanten Gesprächstermins und die Form, wie er in der aktuellen Debatte seitens der Stadt genutzt wird. Mit uns war ein Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Vorsitzenden des Kulturausschusses vereinbart. Erst nach einer längeren Zeit der Unsicherheit seitens der Stadt wurde der Termin am 23.08.2019 durch eine Mitarbeiterin des Bürgermeisters telefonisch bestätigt. In der Zeitung steht nun, dass auch alle Fraktionen des Stadtrates teilnehmen sollen und anschließend eine Pressekonferenz geplant ist. Uns ist aktuell nicht nachvollziehbar, wann und warum diese Änderungen des Rahmens erfolgten. Wir haben Gesprächsbedarf.“

Von: Daniel Bartel, Geschäftsführer des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland (advd) und Christina Büttner, Projektkoordinatorin von ezra. Beide Organisationen sind Mitglieder im Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk thadine.