Rechte Gewalt in Thüringen – Jahresstatistik 2025

Die Zahlen rechter Gewalt in Thüringen bleiben auf einem alarmierend hohen Niveau: Die Opferberatungsstelle ezra verzeichnet im letzten Jahr insgesamt 181 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe. Das sind mehr als drei rechte Gewalttaten pro Woche, die eindeutig registriert werden konnten.

„Rechte Gewalt ist für viele Betroffene längst kein Ausnahmefall mehr, sondern alltägliches Risiko – in der Straßenbahn, im Wohnumfeld oder auf dem Weg zur Arbeit“, schreibt Theresa Lauß, die Projektleiterin von ezra.

Wie auch in den Jahren zuvor handelt es sich bei dem am häufigsten vorkommenden Motiv um Rassismus. Dieses macht 2025 über die Hälfte der von ezra registrierten Fälle aus. Diesem folgen Angriffe auf politische Gegner:innen, queerfeindliche sowie antisemitische Gewalttaten. Die Hemmschwelle sinkt dabei zunehmend, berichtet ezra. Von den insgesamt 99 registrierten physischen Angriffen, fallen 34 auf gefährliche Körperverletzung und 7 auf schwere Körperverletzung/versuchte Tötungen. Mehrere Fälle in Erfurt zeugen von der besonderen Brutalität der Gewalttaten:

„Im September [wurde] ein Mann aufgrund eines Davidsternanhängers in einer Straßenbahn aus antisemitischen Motiven beleidigt, bedroht und zusammengeschlagen. Zwei Schwarze Frauen wurden im Juni während einer Fahrkartenkontrolle rassistisch beleidigt und körperlich attackiert; einer der Betroffenen stürzte nach einem Schlag zu Boden, schlug mit dem Kopf auf einen Betoneimer auf und wurde weiter getreten.“

Viele der verzeichneten Angriffe fanden in öffentlichen Räumen und im direkten Wohnumfeld der Betroffenen statt, überwiegend in den größeren Städten in Thüringen und am häufigsten in der Hauptstadt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es in Kleinstädten und ländlichen Räumen nicht zu ähnlichen Vorfällen kommt. Opferberatungsstellen, wie ezra, können immer nur einen Teil der Gewalt abbilden, die tagtäglich stattfindet. Von einer erheblichen Dunkelziffer bzw. einem Dunkelfeld rechter Gewalt ist jedoch auszugehen. Die Sorge, dass aktuelle politische Entwicklungen zu einem Erstarken und der Legitimierung rechter Gewalt beitragen werden, ist groß. Umso wichtiger sind ein gesichertes Angebot und der Ausbau von unabhängigen Beratungsangeboten, auch in ländlichen Regionen.

Du möchtest Betroffene von rechter Gewalt unterstützen? Hilf mit einer Spende: https://ezra.de/spenden/

Du bist Opfer von Straf- und/oder Gewalttaten aus Motiven gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geworden und brauchst Unterstützung? Hier kannst du einen Beratungstermin vereinbaren: https://ezra.de/beratungstermine/